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0. Gewissensfreiheit allgemein
0.3 Geschichtliche Literatur
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Luise Schorn-Schütte
Menschenwürde. Begriff und Gegenstand im Europa der Frühen Neuzeit
In: Clemens Sedlak (Hrsg.), Menschenwürde. Vom Selbstwert des Menschen
Darmstadt (WBG), 1. Aufl. 2017
Francisco de Vitoria (1492-1546) unterstrich im Zusammenhang mit der Frage nach dem moralischen und rechtlichen Status der Menschen in der Neuen Welt die Gottesebenbildlichkeit des Menschen "und damit die Existenz der Würde jedes Menschen". Zum Ebenbild wird der Mensch aufgrund seiner natürlichen Fähigkeiten, nämlich im Gebrauch der Vernunft. Darin belegt er die Freiheit der Entscheidung und die Herrschaft über seine Handlungen.
Im Unterschied zu dieser katholischen Position blieb in den frühneuzeitlichen protestan-tischen Debatten die Verbindung von Gewissen und Würde entscheidend. Belege finden sich bei W. Perkins (1558-1602) in seiner Schrift Discourse of Conscience, 1596. Wichtig auch Johann Konrad Dannhauer (1603-1666), der in seinem Liber conscientiae apertus das Gewissen charakterisiert "als ‚ein jedem Menschen von Gott eingesenktes Vermögen', alle gegenwärtigen, vergangenen und zukünftigen Handlungen zu bewerten. Das Gewissen kann aber durch die macht der Sünde überschattet werden. Dessen Überwindung hin zu einem glücklichen Gewissen gelingt nur durch Gott selbst." Die Fähigkeit, sich im Gewissen selbst zu befragen rückt Dannhauer in die Nähe von Mirandola. Englische theologische Zeitgenossen sprechen von selfgovernment. (S. 102)
[Die Autorin zitiert nur Sekundärliteratur.]